Wenn die Krise anklopft – von der Kunst, dem Ungebetenen Raum zu geben
Serie BESUCH
„Die Depression ist gleich einer Dame in Schwarz. Tritt sie auf, so weise sie nicht weg, sondern bitte sie als Gast zu Tisch und höre, was sie zu sagen hat“, soll der Psychologe Carl Gustav Jung gesagt haben. Im SZ-Magazin Nr. 25 im Juni 2025 dachte der Autor Jakob Schrenk diese Idee weiter: Das gelte auch für die kleine Schwester der Depression, der Midlife-Crisis, die eher in Grau und Beige gekleidet sei. „Wir sollten sie nicht weglächeln oder auslachen. Wir sollten sie auf eine Tasse Tee einladen, oder gleich auf ein Glas Wein. Vielleicht gibt es ja was zu feiern.“
Diese Verbindung zweier Gedanken war der Ausgangspunkt für meine Serie BESUCH. Ob im tiefen Schwarz der Depression, im verhangenen Grau der Melancholie oder im lichten Weiß der Heiterkeit: Hier sind seelische Zustände keine Zumutungen, die man betäuben oder verdrängen muss. Sie sind vielmehr eine Einladung innezuhalten und den Besuch offen zu empfangen.
In meinen Bildern geht es um Akzeptanz und den Blick nach innen. Die Damen treten als stumme Besucherinnen auf – sie fordern einen Raum, der ihnen im Alltag selten zugestanden wird. Wenn wir ihnen einen Platz einräumen, verwandelt sich Abwehr in Aufmerksamkeit. Bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wein darf jedes Gefühl einfach im Raum stehen.
Die Begegnung wird zum Schauplatz eines leisen Einverständnisses und des Hinspürens auf das eigene Empfinden. Die Serie BESUCH ist eine Hommage an die Gastfreundschaft gegenüber dem eigenen Innenleben – und an die Möglichkeit, selbst im Dunkelsten einen Gast zu erkennen, der uns etwas Wesentliches über uns selbst erzählt.