Ältere Werke (Archiv)

HAUT

Wo das Außen beginnt: die erste Schicht des Körpers

Bevor Linien gezogen werden, gibt es nur die Haut. Sie ist die verletzlichste Grenze: porös, durchlässig und der Ort, an dem Reize und Nähe unmittelbar auf das Nervensystem treffen.

In ihren Schichten und Farbtönen verhandelt sich die erste Berührung mit der Welt. Hier steht das Innere noch unverstellt dem Außen gegenüber. 

Lehmputz auf Siebdruckplatte

130 × 40 cm, 120 × 55 cm, 60 × 80 cm

2024

UNTER VORBEHALT

Vom Zögern als Haltung: die Weigerung, sich festzulegen.

Ständig soll etwas feststehen, sofort und unumstößlich. Warum?

Diese Arbeiten verweigern den direkten Weg. Sie verhandeln das Recht, sich abzuwenden, Zeit zu schinden und Wege offen zu halten. Ausweichen ist kein Versagen, sondern Selbstbehauptung: der gezielte Schlenker um die Eindeutigkeit herum. Wer sich nicht festlegt, behält die Wahl. Eine Einladung zur Unentschiedenheit. 

Lehmputz und Acryl auf Siebdruckplatte (7) / auf Leinwand (1).

Formate: 82,5 × 60 cm (2), 125 × 82 cm (4), 125 × 250 cm (1), 60 × 40 (1)

2023-2024

GRENZLINIEN

Wenn alles zu nah kommt: Grenzen spüren und ziehen 

Nach außen passiert wenig. Keine große Geste, kein Ausbruch, kein Nachgeben.

Die Linie trennt, was sich aufdrängen will, von dem, was geschützt bleiben muss. Doch eine Grenze verläuft nie starr oder schnurgerade. Man muss sie immer wieder neu ertasten, ausloten und gegen den Druck von außen justieren. Zu spüren, wo sie liegt, erfordert ständige Wachsamkeit. Grenzen zu ziehen und zu behaupten, ist pure Kraft: das Aushalten des übergriffigen, überreizenden Außen durch kompromisslose Klarheit. Eine Entscheidung für die eigene Integrität.

Vinyl auf leinwandbezogenem Malkarton

50 × 70 cm

2023

UNTER STROM

Wenn die Welt zu viel will: von der inneren Hochspannung

Die Schriftstellerin Virginia Woolf verglich die Wahrnehmung einmal mit einem unaufhörlichen Schauer, der von allen Seiten auf den Geist einstürzt. Es beschreibt das Gefühl, wenn das Außen ungefiltert einbricht und das Innere keine Ruhe mehr findet.

Dieser Zustand bildet den Ausgangspunkt für meine Serie UNTER STROM. Die Arbeiten zeigen Reizüberflutung als energetischen Vorgang. Sie thematisieren das Übermaß an Eindrücken, das auf uns einbricht, und den ständigen Versuch, diesen Ansturm abzufedern, abzuleiten oder ihm auszuweichen.

In den Bildern wird dieser Vorgang sichtbar. Die Ströme und Verästelungen zeigen das Ringen mit einer permanent zu hohen Frequenz, bis hin zu dem Punkt der Erschöpfung, an dem schlicht der Stecker gezogen wird und nichts mehr geht.

Die Serie ENERGIE richtet den Blick auf die überwältigende Wucht der eigenen Wahrnehmung und auf das, was passiert, wenn zu viel Strom durch ein System fließt.

Acryl auf Leinwand

120 × 100 cm

2022-2023

FENSTER NACH INNEN

Wenn der Blick nach innen fällt – von der Unruhe hinter der glatten Fassade

Der menschliche Geist sei ein ganz eigenes Terrain mit eigenen Gezeiten und Gesetzen, sagte die Schriftstellerin Virginia Woolf einmal. Diese innere Landschaft richtete sich selten nach den Anforderungen von außen. Sie sei widersprüchlich, sprunghaft und unruhig. 

Das Zitat markiert den Ausgangspunkt für meine Serie FENSTER NACH INNEN. Nach außen hin steht die Fassade: beherrscht, angepasst, unauffällig. Die Arbeiten öffnen schmale Schlitze in dieser Oberfläche – wie Fenster, die einen kurzen, ungeschönten Blick auf das freigeben, was dahinter tatsächlich vorgeht.

Die Lamellen wirken wie ein Filter zwischen beiden Welten. Sie verdecken und öffnen zugleich: Dahinter wird das Innenleben sichtbar, mit all seinen Spannungen, seiner Hitze und Kühle, seinem Drängen und Zögern. Eine ständige innere Bewegung, die Kraft kostet und sich nicht einfach abstellen lässt.

Die Serie FENSTER NACH INNEN richtet den Blick auf diese Gleichzeitigkeit – und lässt das erkennen, was hinter der Fassade weiterarbeitet

Acryl auf Leinwand

120 × 100 cm

2022

INS LOT

Vom Beherrschen der Überflutung: die Kraft der Wiederholung

Wiederholung ist Notwehr gegen das Zuviel.

Wenn Eindrücke ungefiltert einbrechen, braucht es ein unverrückbares Gefüge. Die Beharrlichkeit des Gleichmaßes dämpft den Druck und führt das überreizte System zurück ins Lot. Es entsteht ein geschützter Raum, in dem wieder Klarheit möglich wird. Selbstberuhigung als autonomer Akt: eine Notwendigkeit, um zu bestehen.

Stabilo Filzstift auf Papier

Din A 3

2019-2021

INNENLEBEN

Im Verborgenen: die Fülle des intimen Raums 

Das Verborgene, das von außen nicht sichtbar ist, birgt in sich eine unendliche Fülle.

Abseits fremder Blicke entfaltet sich ein eigener Raum, unabhängig von äußeren Einflüssen. Die Hinwendung nach innen ist getragen von Neugier und den eigenen Regeln. Diese Arbeiten zeigen einen Kosmos, der sich ganz aus sich selbst speist, in sich unerschöpflich bleibt und keine Bestätigung von außen braucht. Autarkie als stiller, vollkommener Zustand

Stabilo Filzstift auf Papier

Din A 3

2019-2021